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Wellington

TE PAPA UND COURTENAY PLACE

Nachdem wir die Hälfte der Strecke hinter uns gebracht hatten, trieb uns der Hunger zu einem Mc Donalds in einer kleinen Stadt. Doch anstatt schnell etwas zu essen und danach weiter nach Wellington zu fahren, fanden wir uns erst einmal in einem komplett falschen Film wieder. In dem Auto, neben dem wir parkten, saß eine aufgeregte Frau, die behauptete, ihr Mann hätte sie eingeschlossen - er sei gerade im Mc Donalds und trüge ein blaues T-Shirt. Ich lief also schnell hinein, erwischte erst einmal den falschen Herren im blauen Hemd und kam nach kurzem Suchen mit dem Richtigen und Falschen wieder hinaus. Letzterer vermutete einen Fall für die Polizei und auch wir konnten nicht einschätzen, ob der Ehemann seine Frau schlecht behandelt und einsperrt oder ob nur ein Missverständnis vorliegt. Die kurz darauf freie Frau wich dem „falschen Mann“ im blauen Hemd darauf nicht mehr von der Seite und verehrte ihn als ihren Retter, welcher in dieser Rolle geradezu aufblühte.

Einige Minuten später wurde uns dann endlich klar, was sich hier abspielte: Das Ehepaar war auf dem Heimweg von einer Beerdigung und die Frau hatte schon am Morgen versucht ihren Kummer in Wein zu ertränken, weshalb ihr Ehemann sie nur ungerne aus den Augen lassen wollte und sie tatsächlich im Auto eingeschlossen hatte, als er die Toilette im Mc Donalds besuchen musste. Daraufhin spielte sich noch ein Drama ab, bis er seine Frau endlich wieder in das Auto bekommen hatte, welche lieber bei ihrem „Retter“ bleiben oder uns zum Barbecue am Abend einladen wollte. Letzten Endes mussten wir ihr die leere Versprechung geben, am Abend vorbeizuschauen, da sie in ihrem Zustand leider nicht locker lies. Das war ein Erlebnis, das wir nicht erwartet hatten, als wir nur schnell einen Burger essen wollten und selbst nachdem die Sache aufgeklärt war, grübelten wir im Auto immer noch darüber nach. Sogar der vermeidliche Retter war mit in das Auto des Ehepaares gestiegen, was uns nicht gerade dabei half, Klarheit über die Sache zu bekommen.

Nach diesem seltsamen Erlebnis auf dem Parkplatz kamen wir nach zwei weiteren Stunden Fahrt in Wellington an und checkten dort wieder in einem YHA-Hostel ein, da uns das als die beste Unterkunft für Backpacker in der Stadt empfohlen wurde. Unsere Entscheidung stellte sich als sehr gut heraus, da wir zu fünft ein 6-Bett-Zimmer für uns alleine hatten, sogar mit einem eigenen Bad. Leider tröpfelte die Dusche mehr als dass ein Wasserstrahl kam, daher mussten wir Mädels die Gemeinschaftsduschen auf dem Stockwerk benutzen- in unserer Dusche war das Haare-Waschen eine Tortur. Für seine Größe war das Hostel gut ausgestattet, es gab zwei Küchen und zwei geräumige Essensbereiche, abgesehen davon lag es mitten in der Innenstadt mit einem New World direkt gegenüber- ein Supermarkt der hier sogar bis Mitternacht offen hat.

Da wir nicht das beste Wetter erwischt hatten, mussten wir uns erst einmal mit Innenaktivitäten die Zeit vertreiben. Das Nationalmuseum „Te Papa“ ist auf jeden Fall einen Besuch wert, abgesehen von der Vielfalt der Ausstellungen und der tollen Gestaltung ist  sogar der Eintritt kostenlos. Man kann sich über die Geschichte und die Tradition der Maori informieren, die verschiedenen Tiere -ob ausgestorben oder noch lebend- Neuseelands anschauen oder in einem kleinem Haus ein Erdbeben erleben und darüber nachlesen wie es dazu kommen kann. Möchte man also ein paar Stunden an einem regnerischen Tag totschlagen, ist DAS Museum Neuseelands wärmstens zu empfehlen und auch sonst lohnt sich ein Besuch sehr. Abgesehen davon gibt es noch eine ganze Bandbreite anderer Museen, Galerien und Ausstellungen, wir haben uns aber stattdessen aber lieber für die Indoor-Kletterhalle am Hafen entschieden und haben uns dort eine Weile ausgepowert.

Für die Abende hat Wellington einiges zu bieten: Die Stadt mit dem angeblich besten Nachtleben der beiden Inseln hat uns des Öfteren in seinen Bann gezogen und wir verbrachten einige Nächte bis zum Morgen in den Clubs rund um Courtenay Place oder in den beiden Nebenstraßen Blair- und Allen Street. Da alle Partys schön zentral gelegen waren und unser Hostel nur fünf Minuten zu Fuß entfernt war, mussten wir uns hier auch nicht mit der Taxi-Problematik oder sonstigem herumschlagen- nur seinen Reisepass sollte man immer bei sich haben, da viele Bars oder Clubs nur diesen akzeptieren.
In unserer einen Woche Aufenthalt vertrieben wir uns sonst die Zeit mit Shoppen, Kaffee trinken und Kinobesuchen. Wenn man endlich wieder in einer größeren Stadt gelandet ist, sollte man das ausnutzen- die meisten Flächen Neuseelands sind ja kaum besiedelt.

Möchte man die Gegend rund um Wellington erkunden, so kann man sich erst einmal einen Überblick von dem Aussichtspunkt Mount Victoria oberhalb der Stadt verschaffen oder man unternimmt eine kurzen Ausflug am Meer entlang. Fährt man Richtung Flughafen und hält sich die nächsten Kilometer an der Küste entlang Rechts, so kommt man an eine wunderschöne Bucht, in der man Stunden verbringen könnte. Vor allem bei Sonnenuntergang lohnen sich die zehn Minuten Fahrt dorthin, das ganze Meer glitzert und die Felsen der Bucht werden in rötliche Farben getaucht. Ansonsten gibt es noch viele andere Aktivitäten in der Hauptstadt, jedoch möchten wir unsere Reise nicht dem kompletten Sightseeing-Wahnsinn widmen, daher verbrachten wir unsere letzten Tage auf der Nordinsel nach Lust und Laune. Uns bleibt ja noch die ganze Südinsel zu erkunden und was wir im Nachhinein vielleicht verpasst haben, können wir auf dem Rückweg immer noch erkunden - vielleicht darf uns ja das Parlamentsgebäude in ein paar Wochen doch noch begrüßen…